26.07.2018
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Feng Shui - Die Strategie ist Harmonie

von Paulina Schröder und Katja Gartung
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Sicher hat fast jeder schon mal von Feng Shui gehört, und die meisten verbinden damit wohl mehr Esoterik und Möbelumstellen als es wirklich ist. Aber was IST es denn? Feng Shui ist eine daoistische Harmonielehre aus China.

Ziel der Philosophie des klassischen Feng Shui ist die Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung, um die Lebensenergie, die als treibende Kraft im Leben angesehen wird, in Schwung zu halten. Dies kann durch die besondere, eben Feng Shui-eske Gestaltung der Wohnräume, die Einrichtung eines Zimmers, aber darüber hinaus auch durch Architektur und Gartenkunst, manchmal sogar durch städtebauliche Planung, erreicht werden.
Feng Shui basiert auf gleich mehreren chinesischen Anschauungen, vor allem der Lehre des Qi (Lebensenergie), zudem der Lehre von Ying und Yang, den Himmelsrichtungen und dem System der fünf Elemente. Das Qi muss frei fließen können und wird notfalls durch einen planmäßigen Eingriff umgeleitet. Durch die Verschmelzung der traditionellen  Attribute mit dem Verständnis der westlichen Welt, das wiederum stark beeinflusst ist von den Vorstellungen aus der Esoterik- und New Age-Bewegung, ist in den späten 80er Jahren das Feng Shui entstanden, welches wir heute kennen.

Theorien der Farbgestaltung, der energetische Fluss von Kristallen und Düften und der Einsatz von Windspielen lösen die ursprünglichen Lehren ab. Das so entstandene Neo-Feng Shui oder auch New Age-Feng Shui wird hauptsächlich in der Einrichtung von Zimmern, Wohnungen und Häusern angewendet. Dabei spielen die Aspekte des klassischen Feng Shui wie das oben schon erwähnte Ying und Yang-Prinzip oder die Bedeutung von Himmelsrichtungen kaum noch eine Rolle. Die Ausrichtung des Mobiliars beispielsweise erfolgt nicht mehr nach Himmelsrichtungen, sondern schlicht nach der Anordnung von Türen oder Eingängen.

Gemeinhin wird Feng Shui heute in der westlichen Welt oft mit einem Einrichtungsstil gleichgesetzt. Das Bestreben dabei ist wie schon in der alten chinesischen Philosophie, das Qi frei und ungehindert durch den Wohnraum strömen zu lassen. Denn je freier es fließt, desto größer das persönliche Wohlbefinden. Diesem Ausströmen wird eine positive Atmosphäre nachgesagt, die ein Gefühl von Schutz, Geborgenheit und Stärke geben soll. Das war es aber in Großen und Ganzen auch schon mit den Gemeinsamkeiten des traditionellen und des modernen Feng Shui-Gedankens.

Die Voraussetzung für die Anwendung des Neo-Feng Shui im eigenen Zuhause ist ein aufgeräumtes Zimmer bzw. sind aufgeräumte Wohnräume. Uns interessiert natürlich am meisten das Schlafzimmer. Hier sollten sich beispielsweise ausschließlich Gegenstände befinden, die tatsächlich zum Schlafen benötigt werden. Den Schreibtisch im Schlafzimmer? Nein, bitte nicht. Die Yogamatten an die Wand gelehnt, das Meditationsbänkchen unters Bett gequetscht, zwischen Bett und Fenster noch einen großen Messingkandelaber aufgestellt? Um Himmels Willen. Den riesigen Sonnenspiegel als Haupt-Dekoelement über dem Bett, womöglich noch gegenüber dem Fenster? Keine gute Idee, denn auf diese Weise kann das Qi entweichen. Wer nicht auf einen Spiegel im Schlafzimmer verzichten kann oder möchte, sollte ihn sowie alle anderen spiegelnden Oberflächen nach New Age-Feng Shui-Ansicht nachts verhüllen.

Pflanzen hingegen sorgen – jedenfalls bis zu einer gewissen Größe - für ein angenehmes Raumklima. Wichtig für das Wohlbefinden ist dem Neo-Feng Shui nach außerdem viel Tageslicht und frische Luft in allen Räumen.

Der zentrale Punkt des Raumes ist das Bett. Wichtig ist vor allem der richtige Standort: nicht unter Dachbalken oder -schrägen, das Fußende nicht in Richtung Tür zeigend, und nicht zwischen einem Fenster und einer Tür, denn dies kann zu Unruhe oder Nervosität führen. Es sollte vielmehr mit dem Kopfende gegen eine Wand gerichtet sein, in der keine Wasserrohre oder Leitungen verlegt sind. Steht das Bett stattdessen frei im Raum, sollte es über ein hohes und festes Kopfteil aus Holz oder Metall verfügen, das für das Gefühl sorgt, dass niemand einem „in den Rücken fallen“ kann. Wichtig ist auch, dass das Bett auf Beinen steht und genug Platz darunter vorhanden ist, damit das Qi ausreichend Raum hat. All jenen, die den Platz unter ihrem Bett als Stauraum nutzen, sei gesagt: Wenn das Qi fließen soll, muss diese Fläche frei bleiben und ein alternativer Platz für die alten  Fotoalben, die Yogamattensammlung und die Bettwäsche-Aufbewahrungskisten gefunden werden.

Das klingt alles ein wenig kompliziert? Zugegeben, in kleineren Wohnungen, den immer beliebter werdenden Tiny Houses oder anderen engen Wohnverhältnissen ist eine großzügige Raumgestaltung oft nicht umsetzbar. Doch selbst auf kleinem Raum können die Grundgedanken des Neo-Feng Shui durchaus umgesetzt werden. Stellen Sie die Räume nicht zu voll, achten Sie auf Klarheit und Licht und gestalten Sie die Räume in angenehmen Farben. Damit sind noch lange nicht sämtliche Aspekte des Feng Shui abgedeckt, aber auf dieser Basis lässt sich aufbauen, wenn Sie sich weiterführend mit dem Thema beschäftigen möchten.

Sollten Ihr Plan sein, sich abends vor dem Schlafengehen über Ihr Tablet oder Smartphone mehr zum Thema Feng Shui anzulesen, um dies danach in Ihren vier Wänden umzusetzen, vergessen Sie nicht, die mobilen Endgeräte noch auszuschalten oder aus dem Schlafzimmer zu entfernen, bevor Sie die Augen schließen. Denn elektronische Geräte in Bettnähe, erst recht, wenn sie eingeschaltet sind - Sie ahnen es schon – stören das Qi und den Schlaf.

Foto: Christelle Bourgeois/Unsplash